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Gebühren

Der (in)transparente Weg des Geldes

Wofür fallen bei einer bargeldlosen Zahlung eigentlich Gebühren an und wer verdient alles daran? Wir erklären euch in diesem Beitrag, welchen Weg das Geld nimmt bis es letztlich bei dir auf dem Konto landet. Außerdem zeigen wir auf, wie fair und transparent verschiedene Gebührenmodelle sind.

Benjamin Behringer
- 4 min read
Du nimmst eine bargeldlose Zahlung an? Drei Akteure sind am Bezahlprozess beteiligt, ermöglichen einen reibungslosen Ablauf und wollen dafür entlohnt werden.

Du hast ein Ladengeschäft oder einen Onlineshop und möchtest bargeldlose Zahlungen entgegennehmen. Eigentlich sollte es einfach sein:

Kartenlesegerät auspacken oder Plugins für deinen Onlineshop installieren und schon kann es losgehen.

Naja, ganz so einfach ist es leider nicht. Zunächst sammelst du Angebote ein, kämpfst dich durch den Gebührendschungel und versuchst zu verstehen, was dich eine Transaktion am Ende des Tages eigentlich kostet. Wenn du denkst, dass du alle Kosten verstanden hast, fällt dir vielleicht auf, dass irgendwo noch ein Hinweis auf ein Preis- und Leistungsverzeichnis im Kleingedruckten steht.

Das Preis- und Leistungsverzeichnis suchst du also raus, nur um festzustellen, dass da irgendetwas von Mindestgebühren steht und dass auf das vereinbarte Disagio weitere Kosten für beispielsweise Non-EWR- und Commercial-Cards auf dich zukommen. Wenn du bisher keine bargeldlosen Zahlungen entgegengenommen hast, dann raufst du dir vermutlich spätestens jetzt die Haare.

Die drei Akteure im Payment

Wir wollen hier etwas Licht ins Dunkel bringen: grundsätzlich sind drei Akteure am Bezahlprozess beteiligt und alle wollen für ihren Beitrag zur Zahlungsabwicklung natürlich ein Stück vom Kuchen:

  • Issuer: Kartenherausgebende Banken und Finanzinstitute wie beispielsweise die Triodos Bank, GLS Bank, Tomorrow (via SolarisBank), Volksbanken, Sparkassen und viele andere.
  • Scheme: Netzwerke der verschiedenen Kartenorganisationen (Payment Scheme) wie Visa, Mastercard und JCB. Diese legen die Regeln einer bargeldlosen Zahlung für ihr jeweiliges Netzwerk fest.
  • Acquirer (und Processor): Banken und Finanzinstitutionen die mit Händler:innen einen Akzeptanzvertrag für die Kreditkartenorganisationen schließen und letztlich die Annahme von bargeldlosen Zahlungen ermöglichen.
Manche Acquirer lagern die technische Abwicklung aus. Das übernimmt dann ein sogenannter Acquirer Processor. Der Einfachheit halber reden wir nachfolgend nur von Acquirer.

Anatomie einer bargeldlosen Zahlung

Die Leistungen, die die einzelnen Akteure erbringen, schauen wir uns an einem vereinfachten Beispiel einer bargeldlosen Zahlung an:

  1. Alice möchte bei Bob einen Pullover bezahlen. Dazu legt sie ihre Kreditkarte auf das Kartenlesegerät von Bob.
  2. Die Zahlungsanfrage landet beim Acquirer von Bob, der diese an die Kreditkartenorganisation weiterleitet.
  3. Anhand der Kreditkartennummer wird die Anfrage an den Issuer, also die Bank von Alice, übermittelt.
  4. Der Issuer prüft ob Alice den Pullover bezahlen kann und verbucht den Kartenumsatz bei erfolgreicher Prüfung.
  5. Gleichzeitig routet der Issuer den Kartenumsatz über das Netzwerk der Kartenorganisation an den Acquirer von Bob.
  6. Der Acquirer überweist den Kartenumsatz schließlich auf das Bankkonto von Bob.

Beispielhafte Darstellung für den Geldfluss bei einer Kartenzahlung.


Für diese Leistungen zieht der Acquirer eine Gebühr von Bob ein und bezahlt Issuer und Scheme. Konkret zahlt der Acquirer pro Transaktion eine sogenannte Interchange-Gebühr an den Issuer und eine Scheme-Gebühr an die Kartenorganisation. Außerdem trägt der Acquirer Lizenzgebühren aller Kreditkartenorganisationen und deckt seine Produktionskosten (z.B. für die Payment-Infrastruktur).

Preispolitik und Stellschrauben

Auf dieser Basis schätzen Acquirer also Risiken ab und berechnen ihre Preise, die sie dann grundsätzlich in zwei Preismodellen anbieten:

  1. Interchange++
  2. Disagio- oder Blended-Pricing

Das Disagio-Modell bzw. Blended-Pricing-Modell ist die am häufigsten genutzte Preisgestaltungsvariante am Markt. Um zu verstehen, wieso wir Interchange++ einem Blended-Pricing vorziehen, beleuchten wir nachfolgend beide Modelle.

Volle Transparenz mit Interchange++

Interchange++ bringt volle Kostentransparenz, denn es ermöglicht Händler:innen nachzuvollziehen welcher Akteur wie viel an welcher Transaktion verdient hat. Konkret setzt sich Interchange++ aus den Kosten zusammen, die bei den drei Akteuren anfallen:



  • Issuer-Gebühr (Interchange): Die Interchange-Gebühr wird durch die Kartenorganisation festgelegt und ist an die kartenausgebende Bank des Kunden bzw. der Kundin zu entrichten. Die Gebühr ist als Anreiz für Issuer gedacht Kreditkarten anzubieten.
Die Interchange-Gebühr wird durch die Kartenorganisationen festgelegt und ist für alle gleich. Der Bioladen um die Ecke zahlt so viel wie ein großer Filialist mit mehreren hundert Läden.
Bei Karten nicht-gewerblicher Kund:innen greift die EU Interchange Gebührenobergrenze: z.B. 0,2% des Transaktionsbetrags bei Debit- und 0,3% bei Kreditkarten von Visa und Mastercard. Sogenannte Corporate Cards, also Firmenkarten, sind von dieser Regelung ausgenommen insofern die Kosten dem Firmenkonto zuzuordnen sind. Die gemittelte Interchange-Gebühr liegt bei 0,35% (Visa) bzw. 0,38% (Mastercard).
  • Scheme-Gebühr (+): Für ihren Service erheben die Kartenorganisationen sogenannte Dues and Credit Card Assessment Fees. Damit decken sie insbesondere ihre Kosten für:

    1. Bereitstellung des Netzwerks
    2. Preis- und Regelgestaltung
    3. Marketing
    4. Forschung und Entwicklung (insbesondere zur Betrugsbekämpfung)
(Card) Scheme Gebühren werden von den Kartenorganisationen festgelegt, erhoben und sind für alle gleich. Also auch hier zahlen kleine Händler:innen so viel wie die Großen. Bei Visa aktuell etwa 0,10 Prozentpunkte bei MasterCard schon 0,21 Prozentpunkte.
  • Acquirer-Gebühr (+): Die Acquirer-Gebühr ist die Gebühr, die für die Bereitstellung und Verarbeitung von Transaktionen anfällt. Dazu zählt beispielsweise die Bereitstellung der technischen Infrastruktur.

Interchange++ ist ein faires Modell, da die Kosten für Interchange und Scheme einfach an Händler:innen durchgereicht und nicht teuer versteckt werden. Letztlich verfolgt die EU mit ihrer Regulierung genau dieses Ziel:

The Commission wants interchange fees to be both fair and transparent. Today, they are often unfairly high and opaque.

Die EU-Kommission möchte also, dass die Interchange-Gebühren fair und transparent sind. Heute sind sie oft ungerecht hoch und undurchsichtig.

Warum wir kein Blended-Pricing anbieten

Beim Blended-Pricing wird häufig ein fixer Prozentsatz für alle Kartentypen oder jeweils für Debit- und Kreditkarten vereinbart. Meistens wählen Händler:innen dieses Modell aufgrund der leichteren Planbarkeit – die Kosten lassen sich schließlich auf Basis prognostizierter Umsätze einfach und schnell vorab bestimmen. Für uns hat dieses Modell jedoch zwei Knackpunkte:

  1. Blended-Pricing ist nicht fair: Wir haben bereits gelernt, dass bei einer bargeldlosen Zahlung immer drei Akteure bezahlt werden wollen: Issuer, Scheme und Acquirer. Die Gebühren für Issuer und Scheme sind für alle gleich. Sie bewegen sich in einer Range und sind davon abhängig welche Karten bei den zukünftigen Einkäufen zum Einsatz kommen. Ein Acquirer wird einen Blended-Price in seiner Mischkalkulation also stets so bestimmen, dass kein Nachteil für ihn entstehen kann – schließlich geht es darum Geld mit der Transaktion zu verdienen.
  1. Blended-Pricing ist nicht transparent: Transparenz ist für TapTree von zentraler Bedeutung – wir sind schließlich angetreten, um mehr Transparenz in die Finanzbranche zu bringen. Das bedeutet für uns auch, dass unsere Nutzer:innen die Kosten transparent und detailliert nachvollziehen können. Bei einem Blended-Pricing ist das nicht der Fall. Hier können Händler:innen nicht nachvollziehen, ob sie die Möglichkeit gehabt hätten beispielsweise an einer günstigen Interchange-Gebühr zu partizipieren.

Wo kommen wir ins Spiel?

Aber Moment mal. Wir haben jetzt Issuer, Scheme und Acquirer kennengelernt. Wo kommt TapTree ins Spiel? Ganz einfach: Acquirer nutzen häufig externe Partner:innen – beispielsweise Sparkassen und Volksbanken für den Vertrieb. Dabei betreibt der Acquirer als lizensiertes Institut die erforderliche technische Infrastruktur für das Finanztransaktionsgeschäft, wohingegen die Partner:innen diese Infrastruktur vertreiben und damit Reichweite und Abdeckung des Acquirers vergrößern. Über hohe Transaktionsvolumen können attraktive Preismodelle geschaffen werden.

Wir nutzen bei TapTree genau diese Struktur, vertreiben die regulierte Infrastruktur und stellen den Kund:innen-Service. Zusätzlich fungieren wir als Technologie-Plattform: wir entwickeln und betreiben unsere Händler:innen-App, sowie sozial-ökologische Mehrwertdienste.


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